Pflegekompetenzgesetz: Belebung der Pflege in Deutschland

Das Bundesministerium für Gesundheit prognostiziert bis 2040 einen Bedarf von 150.000 zusätzlichen Pflegekräften in Deutschland. Denn die Zahl der (dauerhaft) pflegebedürftigen Menschen in Deutschland steigt rapide. Von 5,7 Millionen zum Jahresende 2023 wird bereits bis 2030 ein Anstieg auf geschätzte 6,1 Millionen erwartet. Bei einer abfallenden Bevölkerungszahl (2030 = 83,6) wäre dementsprechend dann fast jede(r) 14. Deutsche ein Pflegefall. Bis 2050 wird sich diese Entwicklung noch weiter zuspitzen, wenn laut Prognosen von den 79,3 Millionen Deutschen 7,7 Millionen pflegebedürftig sein werden. Aus diesem Grunde muss die Zahl der Pflegekräfte in den kommenden Jahren deutlich steigen und die Pflegeleistung effektiver werden. 

Vor diesem Hintergrund veröffentlichte das Bundesministerium für Gesundheit am 6. September 2024 den Referentenentwurf für das “Gesetz zur Stärkung der Pflegekompetenz”, der als Grundlage für die später vom Kabinett am 18. Dezember 2024 beschlossene Gesetzesvorlage diente. Dieser Referentenentwurf enthält neben den Neuerungen zur Stärkung der Kompetenzen von Pflegefachkräften auch wesentliche Änderungen im Leistungsrecht der sozialen Pflegeversicherung.

Ziele des Pflegekompetenzgesetzes

Das Pflegekompetenzgesetz verfolgt mehrere zentrale Ziele. Es soll die Attraktivität des Pflegeberufs steigern und den Pflegekräften mehr Verantwortung sowie Entscheidungsfreiheit übertragen. Gleichzeitig sollen innovative Maßnahmen die Versorgungssicherheit in Zeiten des demografischen Wandels gewährleisten. Zu den wesentlichen Neuerungen gehören:

  • Pflegefachkräfte erhalten die Möglichkeit, eigenständig heilkundliche Leistungen zu erbringen, was ihre Rolle in der Versorgung von chronischen Erkrankungen und Prävention stärkt.

  • Die „stambulante“ Versorgung bietet eine Zwischenlösung zwischen ambulanter und stationärer Pflege, wobei das Wohlbefinden der Pflegebedürftigen im Mittelpunkt steht. Durch Pflege-WGs wird die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen gefördert, sodass diese länger geistig und körperlich fit bleiben. Gleichzeitig werden hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Putzen, Kochen oder Waschen auf mehrere Personen verteilt, was weniger Personal erfordert und Pflegekräften mehr Zeit gibt, sich auf den eigentlichen Pflegeprozess zu konzentrieren.

  • Digitalisierung und Telepflege werden ausgebaut, um Pflegeprozesse zu vereinfachen und die Qualität der Versorgung zu erhöhen.

Konkrete Maßnahmen des Pflegekompetenzgesetzes

  1. Die Einführung des Berufsbildes der „Advanced Practice Nurse“ (APN) erweitert die Handlungsspielräume von Pflegekräften und gibt ihnen mehr Verantwortung in der direkten Patientenversorgung.
  2. Die Personalbemessung in Pflegeeinrichtungen wird angepasst, um die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte zu reduzieren und die Qualität der Betreuung zu verbessern.
  3. Der Umwandlungsanspruch für Pflegebedürftige mit mindestens Pflegegrad 2 wird erweitert. Bis zu 50 Prozent des Leistungsanspruchs können flexibel für Unterstützungsangebote im Alltag verwendet werden.
  4. Die “stambulante” Versorgung bietet ein Basispaket an Pflege- und Betreuungsleistungen und soll durch Angehörige oder ehrenamtliche Helfer ergänzt werden. Dies soll eine kosteneffiziente und flexible Versorgung ermöglichen.

Pflegekompetenzgesetz: Zukunftssichere Pflege in Deutschland

Das Pflegekompetenzgesetz markiert einen bedeutenden Schritt in Richtung einer zukunftssicheren Pflege. Mit der Einführung neuer Versorgungskonzepte, wie der “stambulanten” Versorgung, und der Aufwertung des Pflegeberufs werden vielversprechende Wege eingeschlagen, um den wachsenden Herausforderungen gerecht zu werden. 

Entscheidend bleibt jedoch, dass diese Reformen nicht nur ambitioniert geplant, sondern auch konsequent und pragmatisch umgesetzt werden. Denn nur so kann eine Pflege geschaffen werden, die nicht nur den steigenden Anforderungen genügt, sondern auch den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Sei es durch bessere Unterstützung der Pflegekräfte oder durch eine würdevollere Betreuung der Pflegebedürftigen. Auch die Hersteller von Tools zur Pflegeüberwachung, wie Carenamics mit seiner Software für die Pflegedokumentation, werden dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Indem sie ihre Lösungen kontinuierlich weiterentwickeln, werden Pflegekräfte künftig mehr Zeit für die Arbeit mit ihren Klient:innen haben.

Quellen: