Die Zukunft der Pflege - Nurse-Led-Units (NLU)
Auf dem Pflegekongress 2025 Wien wird es wieder viele spannende Vorträge geben. Einer davon, den wir schon vorab wegen des Themas besonders hervorheben möchten, ist die Präsentation eines NLU-Modells (Nurse Led Unit) durch Witiko Nickel (Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide) und Henrikje Stanze (Hochschule Bremen). Das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide führt ein vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes NLU-Projekt durch.
Eine Nurse Led Unit (NLU) (von der Pflege geleitete Station) ist eine Einheit, die von Pfleger:innen geleitet wird. Zwar sind auch hier Ärzt:innen in die Versorgung von Patient:innen eingebunden und werden naturgemäß vor allem bei komplexen Fällen hinzugezogen. Jedoch sind die Hauptakteur:innen von NLUs Pflegefachpersonen mit erweiterten Kompetenzen, z.B. als Case Manager:innen.
Warum ist dies ein wichtiges Thema? Die/der pflegerisch hochqualifizierte Manager:in von Pflegeeinheiten ist ein (relativ) neues Berufsbild, das zum einen Ärzt:innen entlasten und zum anderen die beruflichen Perspektiven von Pfleger:innen erweitern kann. Beides ist zur Verbesserung der Gesundheitssysteme in Österreich und Deutschland erforderlich. Da das Berufsbild neu ist, sind gute Praxisbeispiele zum jetzigen Zeitpunkt notwendig, um anderen den Weg zu zeigen. NLUs sind besonders vielversprechende Einsatzorte.
Warum gibt es NLUs?
NLUs können dazu beitragen, die Patient:innen-Versorgung und auch das gesamte Gesundheitssystem zu verbessern. Die konkreten Vorteile liegen in den folgenden Bereichen:
- Verbesserung der Versorgungsqualität und Patientenzufriedenheit
- Versorgungslücken schließen (z. B. in Regionen mit Ärztemangel)
- Förderung der Selbstmanagementkompetenz der Patient:innen
- Kontinuität und Koordination über den Krankenhausaufenthalt hinaus
- Effiziente Ressourcennutzung und Entlastung der ärztlichen Dienste
Was machen die Fachpfleger:innen in einer NLU?
Sie managen den gesamten Behandlungsbetrieb, steuern die Pflegeprozesse und koordinieren die Behandlungen und begleiten Patient:innen beim Übergang in andere Versorgungssettings. Darüber hinaus steht auch die Durchführung von Schulungen zu ihren Aufgaben.
Das praktische Aufgabenfeld ist weit gesteckt: Diagnostik (z. B. klinische Einschätzung, Anamnese, Untersuchungen), Therapieplanung und -durchführung innerhalb eines definierten Rahmens, die Koordination der intra- und interdisziplinären Versorgung, Gesundheitsförderung, kontinuierliches Monitoring von Krankheitsverläufen.
Das Beispiel Bremerhaven-Reinkenheide (KBR)
Das KBR führt derzeit ein Forschungs- und Implementierungsprojekt zur Umsetzung einer Nurse Led Unit (NLU) durch. Als Ziel wurde die Erprobung einer pflegegeführten Einheit mit Fokus auf Entlassungsmanagement, Selbstpflegekompetenz der Patient:innen, Reduktion von Komplikationen und Wiederaufnahmen festgelegt.
In einer derzeit eigenständigen 13-Betten Station werden Patient:innen betreut, die medizinisch stabil, aber pflegeabhängig sind.
Die Zuweisung erfolgt aus den Fachbereichen, wie Kardiologie, Unfall- und Gefäßchirurgie, Gastroenterologie, Neurochirurgie und Nephrologie.
Obwohl die NLU in Bremerhaven eigenständig ist, wurde sie räumlich und organisatorisch mit einer Intermediate Care Station verbunden, mit der sie sich Material und Technik teilt.
Struktur
Die NLU in Bremerhaven steht unter einer einheitlichen pflegerischen Leitung. Die Station wird jedoch von einem Team geführt, nicht von einer Pflegekraft allein.
Das Pflegepersonal in der NLU besteht zu etwa 60 % aus Pflegefachpersonen, von denen mehr als 20 % über eine akademische Ausbildung (Bachelor of Science, APN) verfügen. Hinzu kommen 40 % Pflegeassistent:innen und Hilfspersonal.
Bei einer NLU liegt die Hauptverantwortung für den Pflegealltag und das spezifische Case Management beim Pflegepersonal. Ärzt:innen sind nicht dauerhaft in die Aktivitäten der Station eingebunden, sondern werden nur bei Bedarf hinzugenommen.
Aufgabenbereiche
Ein Schwerpunkt der Aktivitäten liegt im Entlassungs- und Übergangsmanagement. Dabei stehen die Schulung von Patient:innen und Angehörigen sowie generell die Vorbereitung auf die häusliche Versorgung im Mittelpunkt.
Für das Projekt wurden Zielindikatoren aufgestellt: Mortalität, Verweildauer, Sturzereignisse und 30-Tage-Wiederaufnahmen.
Nach Ablauf der ersten 12 Monate wird eine Evaluation erfolgen. Auf die Ergebnisse sind wir sehr gespannt.
Software für die inter- und intradisziplinäre Zusammenarbeit in NLUs
Wie die Primärversorgungseinheiten (PVE), sind auch NLUs von einer starken intra- und interdisziplinären Zusammenarbeit geprägt. Und auch hier könnte die Carenamics Software ein echter Gamechanger werden, wenn es um die Qualität der Dokumentation einzelner Schritte, Übergaben und das Case Management geht.